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Portrait von Marie-Luise Angerer
Sprecher:in | Marie-Luise Angerer

„Body Options Revised“: von der Cyborg-Erweiterung zur sensitiven Verschränkung

Mitte der 1980er-Jahre führte Donna J. Haraway die Figur der Cyborg ein und beschrieb sie als Mädchen, das keine Frau werden will. Das „Cyborg-Manifest“ entstand Ende des 20. Jahrhundert für ein neues technologisches Zeitalter, in dem Haraway die Digitalisierung unserer Gesellschaft, das Zusammenleben des Menschen mit nicht menschlichen Spezies und eine so durchlässige wie instabile Unterscheidung zwischen Menschen, Maschinen und Tieren bereits vorweggenommen hat. Zugleich richtete sich das „Manifest“ gegen das moderne und teils auch feministische Verständnis einer klaren Abgrenzung von Natur und Kultur. Dem setzte Haraway den von ihr geprägten Neologismus der „Naturkultur“ entgegen, um die Offenheit des Körpers für seine Umwelt zu betonen.

Die beiden letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts waren beherrscht von umfassenden Diskussionen rund um den Körper: etwa poststrukturalistischen Körperdebatten wie Judith Butlers „Körper von Gewicht“ (1993), Orlans spektakulären Performance-Operationen am eigenen Leib, Stelarcs „body enhancement“-Aktionen mit einem dritten Techno-Ohr, cyberfeministischen viralen Körpern, die gegen den Gehirnwurm im Netz kämpften, und transhumanistischen Visionen eines technologischen Körper-Upgrades. Im frühen 21. Jahrhundert öffnete sich die Definition des Körpers dann einem breiteren Verständnis für seine materiellen Verschränkungen mit und sein Reaktionsvermögen auf eine Welt, in der Menschen mit Nichtmenschen zusammenleben. „Eingebettet“, „verkörpert“ und „Situiertheit“ lauten heute die neuen Schlagworte, um die Verfasstheit wahrnehmender und fühlender Körper (mit ihren viralen, neuronalen wie technischen Verwundbarkeiten) zu analysieren und zu theoretisieren.

Über Marie-Luise Angerer

Marie-Luise Angerer ist Professorin für Medienwissenschaften im gemeinsamen Studiengang Europäische Medienwissenschaften der Universität Potsdam und der Fachhochschule Potsdam. Zudem ist sie Geschäftsführende Direktorin des Brandenburgischen Zentrums für Medienwissenschaften (ZeM) sowie Sprecherin des Graduiertenkollegs „Sensing: Zum Wissen sensibler Medien“. Sie lehrte als Gastprofessorin an der Universität der Künste Berlin (1997) und an der Central European University in Budapest (1998), als Professorin für Medienwissenschaften und Gender Studies an der Ruhr-Universität Bochum (1999/2000) sowie als Professorin für Medien- und Kulturwissenschaften/Gender Studies an der Kunsthochschule für Medien Köln (2000–2015). Im Zentrum ihrer aktuellen Forschung stehen die Beschreibung eines affektiv-digitalen Unbewussten sowie die Umstrukturierung der Gesellschaft durch Sensortechnologien.