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Portrait von Marta Dziewańska
Sprecher:in | Marta Dziewańska

Der Futurismus der weiblichen Avantgarde

Die von Künstler:innen in der Nachkriegszeit geschaffenen fragmentierten Körper sind Ausdruck der traumatischen Erfahrung einer Welt, die soeben explodiert war. Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, lässt sich jedoch kaum leugnen, dass sie, gerade im Fall von Künstlerinnen, die mit der Fragmentierung – oft ihres eigenen Körpers – arbeiten, eine Science-Fiction-hafte Anmutung entfalten.

Mária Bartuszová (1936–1996) formte Serien unheimlich wirkender organischer Formen, die „Endless Eggs“, die beschädigten Raumschiffen gleichen; Alina Szapocznikow (1926–1973) schuf fragmentierte Figuren mit zahlreichen Lippen anstelle von Köpfen, in denen Monstrosität und Verführung in eins fallen; Eva Hesses (1936–1970) Werkserien von Maschinenzeichnungen scheinen die Grenze zwischen Körper und Apparat ebenso zu verwischen wie Feliza Bursztyns (1933–1982) „Histéricas“, eine provokante Serie von Skulpturen (Selbstporträts?), die auf bizarre Weise an Maschinen erinnern. Es ließen sich noch viele weitere Beispiele finden. Entscheidend ist jedoch, wie sehr die Künstlerinnen, die oft am Rande oder außerhalb des zeitgenössischen (männlich dominierten) Kunstbetriebs arbeiteten, es wagten, höchst extravagante Formen zu schaffen und mit völlig neuartigen Materialien zu experimentieren. Ihre „Außerzeitlichkeit“ gewährte ihnen ein Gefühl von Freiheit, um in besonders visionärer Weise arbeiten zu können: Aus ihrer Zeit ausgeschlossen, waren sie ihr voraus.

Über Marta Dziewańska

Marta Dziewańska ist Kuratorin am Kunstmuseum Bern. Zwischen 2007 und 2018 war sie Kuratorin und Forschungsleiterin am Museum of Modern Art in Warsaw und 2017 kuratorische Beraterin der documenta 14 in Athen und Kassel. Sie kuratierte und co-kuratierte Ausstellungen wie „The Other Trans-Atlantic. Kinetic and Op Art in Eastern Europe and Latin America 1950s–1970s“ (Museum of Modern Art in Warsaw und Serviço Social do Comércio São Paulo, 2017/18), „MIRIAM CAHN. I AS HUMAN“ (Museum of Modern Art in Warsaw, 2019/20), „Alina Szapocznikow. Human Landscapes“ (The Hepworth Wakefield, 2017/18). Sie ist Herausgeberin und Mitherausgeberin zahlreicher Kataloge, u. a. „Tools for Utopia“ (2020), „Alina Szapocznikow. Human Landscapes“ (2018) und „Points of Convergence. Alternative Views on Performance“ (2017).