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Ausstellung

Isaac Julien. Ten Thousand Waves

Ausstellung

Die Udo und Anette Brandhorst Stiftung hat sich an der Finanzierung einer neuen Arbeit von Isaac Julien (*1960) beteiligt, die 2010 vollendet wurde und im März 2011 erstmals in Deutschland im Museum Brandhorst zu sehen war.

Ausstellungsinfo

Zeitraum

bis

Dauer

ca. 90 Minuten

Über die Ausstellung

Die Udo und Anette Brandhorst Stiftung hat sich an der Finanzierung einer neuen Arbeit von Isaac Julien (*1960) beteiligt, die 2010 vollendet wurde und die im März 2011 erstmals in Deutschland im Museum Brandhorst zu sehen war.

Es handelt sich bei „Ten Thousand Waves“ um eine Neun-Kanal-Videoinstallation, an der der Künstler fast vier Jahre gearbeitet hat. Die entscheidenden Filmaufnahmen entstanden in China, und zwar in Zusammenarbeit mit einer Reihe international bekannter Schauspielerinnen wie der legendären Maggie Cheung oder Zhao Tao. Der Videokünstler Yang Fudong tritt ebenso auf wie der Dichter Wang Ping oder Gong Fagen, ein Großmeister der Kalligrafie.

Ausgangspunkt war für Julien eine chinesische Legende über die Göttin Mazu, deren besondere Fähigkeit darin bestand, auf hoher See in Gefahr geratene Seeleute wieder ans sichere Ufer zu geleiten. Aufnahmen alter Bilder rufen diese Geschichte in Erinnerung, aber Julien versetzt die Gestalt, dargestellt von Maggie Cheung, in das heutige China, wobei immer wieder tosende Verkehrsströme Shanghais ins Bild kommen, dann aber auch wunderbare Flusslandschaften, gesäumt von Bambuswäldern und Sandsteingebirgen, in denen sich einige Flussschiffer verirrt haben. Ein zweiter Erzählstrang konzentriert sich auf den Tod von 23 Chinesen, die illegal nach England eingereist waren und sich als Muschelsammler verdingt hatten. Unerfahren mit den Gezeiten des Atlantischen Ozeans, kamen sie 2005 bei einer Springflut ums Leben. Mazu konnte hier nicht helfen. Nur in einem großen Medienecho „überlebte“ das tragische Unglück. Eine dritte Ebene manifestiert sich in Sequenzen, die sich auf die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts beziehen, als Shanghai einen Sonderstatus hatte, so dass hier bedeutende Filme produziert werden konnten, so unter anderem „The Goddess“ (1934), der das Schicksal einer jungen Frau nachzeichnet, die, arbeitslos geworden, zur Prostituierten wird, um sich und ihr Kind durchbringen zu können. In Juliens Version, die die Atmosphäre der 1930er-Jahre vergegenwärtigt, spielt Zhao Tao diese Rolle.

Mit „Ten Thousand“ Waves setzt Julien konsequent fort, was bereits für seine früheren Arbeiten charakteristisch war, darunter „Western Union: Small Boats“ (2007); in der Sammlung des Museums Brandhorst). Durchgängig thematisieren seine Videoinstallationen ästhetische, soziale und psychische Aspekte unterschiedlicher Lebenswelten, wobei die westlich geprägten Vorstellungen von Weltkultur durch seine afro-karibische Sicht teils infrage gestellt, teils auch neu formuliert werden. Es ist gleichsam eine Verschränkung post-kolonialer Strategien mit post-strukturalistischen Ansätzen, die dem Œuvre von Isaac Julien im Spektrum der zeitgenössischen Kunst eine herausragende Rolle zuweisen.

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