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Portrait von Megan R. Luke
Sprecher:in | Megan R. Luke

Skulptur im Zeitalter der Massenreproduktion

An der Wende zum 20. Jahrhundert fiel der Übergang der Fotografie zu einem Massenmedium zusammen mit einer neuen Industrie zur Fertigung dreidimensionaler Faksimiles, welche die Herstellung und Interpretation von Skulpturen von Grund auf ändern sollte. Dieselben fotoelektrischen Verfahren, mit denen sich die bildhauerische Produktion neu erfand, visualisierten und veränderten ihre Geschichte für ein wachsendes Publikum – mit radikalen Folgen für unser Verständnis davon, wie Skulptur der Zeit Gestalt gibt. Dieser Vortrag richtet sich auf die Entwicklung einer modernen Theorie der Plastik in Deutschland in einem Zeitalter der Massenreproduktion und der damit einhergehenden Krise des Historismus. Damals demontierten Künstler:innen und Historiker:innen die von Gotthold Ephraim Lessing und Johann Gottfried Herder vertretene Auffassung, die Skulptur sei ein vollständig in sich geschlossener Körper, dessen Autonomie jener des betrachtenden Subjekts entspreche. Stattdessen wurde sie zu einer Kunst, die die Raumerfahrung der Betrachtenden choreografierte, die Wandlungsfähigkeit von Oberflächen auf einzigartige Weise bezeugte, zur Reflexion über den Status ihrer Objekthaftigkeit einlud und imaginierte Gefahren einer fetischistischen Bindung verhandelte. In den Räumen des Museums ebenso wie in den Bildbänden der Zwischenkriegszeit stand die Skulptur für einen atavistischen Impuls inmitten einer entzauberten Moderne. Eben weil sich die Integrität der plastischen Form in unzählige Kopien aufzulösen schien – und gleichzeitig überall und nirgends war –, verstärkte sich ihre Fähigkeit, die Vergangenheit in der Wahrnehmung auferstehen zu lassen. Damals wie heute geht es bei diesem Paradoxon um das Potenzial von Skulptur, Speicher für das kollektive Gedächtnis, Vehikel für die Demokratisierung ästhetischer Erfahrung zu sein.

Über Megan R. Luke

Megan R. Luke ist außerordentliche Professorin für Kunstgeschichte an der University of Southern California in Los Angeles. Sie verfasste den 2015 mit dem Robert Motherwell Book Award ausgezeichneten Band „Kurt Schwitters. Space, Image, Exile“ (2014) und ist Herausgeberin von „Myself and My Aims. Writings on Art and Criticism“ (2020, beide University of Chicago Press), der umfassenden englischen Übersetzung von Schwitters’ theoretischen Texten. Gemeinsam mit Sarah Hamill war sie Herausgeberin von „Photography and Sculpture. The Art Object in Reproduction“(2017, Getty Publications). Ihr aktuelles Buchprojekt „The Sculptural Surrogate. Reproduction and the Object of History“ untersucht, in welcher Weise Technologien der Faksimile-Reproduktion ein modernes Verständnis der Skulptur und ihren Anspruch, die Vergangenheit darzustellen, geprägt haben.