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Portrait von Alex Kitnik
Sprecher:in | Alex Kitnick

Neu, neuer, am neuesten: Eduardo Paolozzis Laokoon

Dieser Beitrag widmet sich den Skulpturen Eduardo Paolozzis (1924–2005) – von 1958, dem Jahr der Präsentation seiner aus Fundstücken zusammengestellten Bronzefiguren in der Hanover Gallery in London, bis 1962, als er begann, polierter wirkende, architektonisch-technologische Formen aus Aluminium und Stahl zu erschaffen. Dieser Wandel in seiner künstlerischen Praxis wird anhand von Paolozzis Überlegungen zur Figur des Laokoon beleuchtet, die seit Gotthold Ephraim Lessings Schrift (1766) als Sinnbild der Bildhauerei schlechthin diente und auf der sich ab den 1940er-Jahren – mit Veröffentlichung von Clement Greenbergs Text zu einem „neueren Laokoon“ (1940) – eine neue Kunstauffassung begründete, wonach jede Gattung die ihr innewohnenden Wesenseigenschaften zu artikulieren habe.

Paolozzi hingegen hatte eine andere Vorstellung davon, was es bedeute, sich mit den Geschichten der Skulptur auseinanderzusetzen: In einer 1963 veröffentlichten Serie von Collagen und Zeichnungen zeigt er die Laokoongruppe durch die Windschutzscheibe eines Wagens. Dieses Bild ist paradigmatisch: Zum einen handelt es sich um die Darstellung eines Autounfalls, der gleich geschehen und ein Trümmerfeld hinterlassen wird, und ruft damit die beschädigten Körper von Paolozzis Bronzefiguren auf, zum anderen ist es die Verbildlichung eines „Crashs“, mit allen ballardschen Assoziationen, die das Wort in sich trägt, einer Kopplung von Körper und Technologie auf neue und kraftvolle Weise. An genau diesem Scheideweg stand die Bildhauerei Mitte des vorigen Jahrhunderts angesichts dessen, was sich als „neuester Laokoon“ beschreiben ließe: Skulptur nicht als Gefüge abstrakter Eigenschaften, sondern als gewaltsame Assemblage von Körpern, Geschichten und Materialien.

Über Alex Kitnick

Alex Kitnick ist Assistenzprofessor für Kunstgeschichte und visuelle Kultur am Bard College in Annandale-on-Hudson, New York, und schreibt regelmäßig für Zeitschriften wie „Artforum“ und „October“. Er ist Herausgeber des „October“-Heftes Nr. 136 zum Thema „New Brutalism“ (2011) wie auch von John McHales gesammelten Schriften, „The Expendable Reader. Articles on Art, Architecture, Design, and Media, 1951–1979“ (2011). Seine Buchpublikation „Distant Early Warning. Marshall McLuhan and the Transformation of the Avant-Garde“ erscheint 2021 in der University of Chicago Press.