Ohne Titel, 1983
Informationen zum Kunstwerk
- MaterialDispersion, Ölkreide, Schellack auf Papier
- Maße38,8 x 25,3 cm
- Erwerbsjahr1986
- InventarnummerUAB 412
- AusgestelltAktuell ausgestellt
- Copyright© Rosemarie Trockel. VG Bild-Kunst, Bonn [2026]. Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Museum Brandhorst, München
Mehr über das Werk
Rosemarie Trockel gilt als eine der ersten deutschen Künstlerinnen, die sich systematisch mit Geschlechterklischees auseinandersetzte und von Maschinen gemachte Strickbilder und Haushaltsgeräte in den Kampfplatz der Kunst einführte. Papierarbeiten und Vasen zählen dabei seit Ende der 1970er-Jahre zu den konstanten Ausdrucksmitteln ihrer Praxis. Die fünf präsentierten Werke vereinen handgemalte rote Gitterstrukturen, in die Augen, Finger, Nasen und ein Totenschädel – abgetrennt und in Wiederholung – integriert sind. „Wir befinden uns im Zeitalter der Partialobjekte, der Bausteine und Reste”, schrieben der Philosoph Gilles Deleuze (1925-1995) und der Psychoanalytiker Félix Guattari (1930-1992) im Jahr 1972. Diese Philosophie wurde in den 1980er-Jahren in Deutschland intensiver rezipiert und fand Resonanz in feministischen Diskursen. Während sie in anderen Werkgruppen das männliche Geschlechtsorgan zum „Partialobjekt” werden ließ, stellt Trockel hier die menschliche Sinneswahrnehmung in den Vordergrund: Sehen, Fühlen und Riechen. Der Titel eines zeitgenössischen Katalogessays zur Präsentation der Werke zitierte das konfrontative Statement des österreichischen Schriftstellers Karl Kraus (1874-1936): „Der Mann hat fünf Sinne, das Weib bloß einen.” Dieses Zitat spiegelt das patriarchale Umfeld wider, in dem Trockel ihre eigenen kritisch-ironischen Strategien entwickelte.