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Inventuren einer Stadt: München neu betrachtet

Das Filmprogramm „Inventuren einer Stadt: München neu betrachtet“, kuratiert von Can Sungu, vereint filmische Perspektiven, die plurale und vielschichtige Geschichten Münchens sichtbar machen. Die Filme von Cana Bilir-Meier, Daniel Asadi Faezi, Kevin Jerome Everson, Hans Andreas Guttner, Narges Kalhor, Mila Zhluktenko und Želimir Žilnik werden im Rahmen der Ausstellung „Carrying“ und in Kooperation zwischen dem Museum Brandhorst und dem FILMFEST MÜNCHEN gezeigt.

Zum Programm

München zeigt im Film viele Gesichter, die nicht alle sofort erkennbar sind. Die Vielschichtigkeit ihrer Geschichte und die dazugehörigen Narrative sind in den Ort selbst eingeschrieben – mit ihren sichtbaren und unsichtbaren Spuren, die im kollektiven Gedächtnis der Stadt hinterlassen wurden. Das Programm versammelt historische wie zeitgenössische filmische Positionen, die München aus migrantischen und postmigrantischen Blickwinkeln betrachten – und dabei Identität, Erinnerung und die Macht des Erzählens verhandeln. Gemeinsam entwerfen die Filme eine vielstimmige Inventur der Stadt – jenseits der ihr zugeschriebenen Bilder.

Želimir Žilnik, Inventur – Metzstraße 11 (1957)

Kurzfilmprogramm: Želimir Žilnik in München

Kurzfilme: ICH WEISS NICHT, WAS SOLL ES BEDEUTEN (1975), ÖFFENTLICHE HINRICHTUNG (1974), HAUSORDNUNG (1975), UNTER DENKMALSCHUTZ (1975), ANTRAG (1974), INVENTUR – METZSTRASSE 11 (1975), ABSCHIED (1975)

Als ihm Anfang der 1970er-Jahre in Jugoslawien zunehmend die Möglichkeit genommen wurde, zu arbeiten, ging Želimir Žilnik nach München und lebte dort einige Jahre im Exil. In dieser Zeit entstand eine Reihe kurzer, oft spontan produzierter Filme, in denen er mit dokumentarischer Direktheit und trockenem Humor auf die Lebensrealität von Arbeitsmigrant:innen in der Bundesrepublik blickt und zugleich mit Schärfe und Ironie gesellschaftliche Rituale, bürokratische Verfahren und kulturelle Eigenheiten der westdeutschen Ordnungsgesellschaft untersucht. Žilniks Münchner Arbeiten werden erstmals vollständig in München gezeigt. Im Museum Brandhorst sprechen Žilnik und Kurator Can Sungu über die filmische Praxis und die Umstände, die sie mit der Gegenwart verbinden – über Fragen von Identität, Migration und der Macht des Erzählens.

Talk | 30.06.2026
Screening | 30.06.2026
Screening | 05.07.2026
Cana Bilir-Meier, Zwischenwelt (2023)

Kurzfilmprogramm: Verorten / Erinnern

Die Kurzfilme von Daniel Asadi Faezi, Mila Zhluktenko sowie Cana Bilir-Meier, die in den letzten Jahren entstanden sind, werden gemeinsam in einem Programm gezeigt. Sie greifen Archive, Erinnerungen und urbane Räume auf, um den gegenwärtigen Blick auf die Stadt mit postmigrantischen Perspektiven zu erweitern.

Kurzfilme: WAKING UP IN SILENCE (Daniel Asadi Faezi, Mila Zhluktenko, Deutschland 2023, CRITICAL CONDITION (Mila Zhluktenko, Deutschland 2025), RÜCKBLICKEND BETRACHTET (Daniel Asadi Faezi, Mila Zhluktenko, Deutschland 2025), THIS MAKES ME WANT TO PREDICT THE PAST (Cana Bilir-Meier, Deutschland 2019), ZWISCHENWELT (Cana Bilir-Meier, Deutschland 2023)

Screening und Q&A | 28.06.2026
Hans Andreas Guttner, Im Niemandsland (BRD 1983)

Im Niemandsland

Hans Andreas Guttner | BRD 1983 | 75 Min.

Als der dritte Teil von Hans Andreas Guttners Migrations-Pentalogie „Europa, ein transnationaler Traum“, porträtiert IM NIEMANDSLAND junge Männer – Kinder türkischer Arbeiterfamilien – in München Anfang der 1980er-Jahre, die von der Mehrheitsgesellschaft marginalisiert werden. Geprägt von ständiger Unsicherheit in ihrem Umfeld bewegen sie sich in einer Gegenwelt, die von James Dean und Elvis Presley inspiriert ist. Zwischen den Erwartungen ihrer Eltern und einer Gesellschaft, die ihnen wenig Perspektiven bietet, schaffen sie sich eigene Rituale und Orte zwischen Rock’n’Roll-Outfits, Karate-Trainings und Gelegenheitsjobs.

Screening | 29.06.2026
Screening | 05.07.2026

Carriers: Cinevan

Im Juni und Juli bringt Carriers den lokalen Filmemacher und Künstler Patrik Thomas, die Lothringer 13 Halle, das Museum Brandhorst und das FILMFEST MÜNCHEN in einer Reihe von Open-Air-Filmvorführungen in der Stadt zusammen, die Kontinuitäten zwischen politischer Vergangenheit und Gegenwart untersuchen. Thomas’ mobiles Kino Cinevan fungiert als Werkstatt, Archiv und fahrende Plattform. In München aktiviert es Standorte wie das Kunstareal oder den Sinti-Roma-Platz mit einem ortsspezifischen Filmprogramm – Orte, deren Geschichte häufig unsichtbar ist oder von hegemonialen Narrativen dominiert wird. Mit dem Cinevan versteht Carriers Kino als fortlaufende demokratische Aushandlung im öffentlichen Raum – und das gemeinsame Sehen als solidarischen Akt.

Narges Kalhor, Shahid (2024)

Kunstareal: Shahid

Narges Kalhor | Deutschland 2024 | 84 Min.

SHAHID ist politisches Drama und verzweifelte Komödie in einem. Narges Kalhors autofiktional angelegtem Film liegt der Wunsch einer Namensänderung zugrunde: Die Regisseurin möchte das Wort „Shahid“ (Märtyrer), das dem Urgroßvater im Iran hundert Jahre zuvor als Ehrentitel verliehen worden war, aus ihrem Namen tilgen. Das widerspricht nicht nur seinen Wünschen, sondern hat auch bürokratische Komplikationen bei der Verwaltung in Bayern zur Folge. Ein sehr persönlicher Film, der auf verspielte und genreübergreifende Weise radikale Ideologien infrage stellt und sich selbst dabei nicht immer ganz ernst nimmt.

SHAHID wird am 28. Juni im Open Air Kino im Außenraum des Museums Brandhorst mit dem Cinevan von Patrik Thomas gezeigt, in Kooperation mit der Lothringer 13 Halle. Dem Screening geht ein Gespräch zwischen Can Sungu, Narges Kalhor und Patrik Thomas voraus.

Open-Air-Screening | 28.06.2026
Filmstill, Atide (Daniela Magnani Hüller, 2022)

Sinti-Roma-Platz: ATIDE, WESLEY SWIMS, 15 MINUTES

Auf dem Sinti-Roma-Platz zeigt der Cinevan das kuratierte Filmprogramm „Carriers“ drei Kurzfilme, die sich den Lebensrealitäten von jungen Sinti* und Roma* auf dokumentarische und fiktionale Erzählformen widmen und deren Stimmen in den Mittelpunkt stellen. Präsentiert werden die Filme ATIDE (Daniela Magnani Hüller, 2022, 12 Min.), WESLEY SCHWIMMT (Adrian Oeser, 2024, 31 Min.)  und 15 MINUTEN (Sejad Ademaj, 2022, 13 Min.), und das Open-Air-Kino findet in Kollaboration zwischen dem Museum Brandhorst, der Lothringer 13 Halle, dem FILMFEST MÜNCHEN, des RomAnity e.V. und des Rolling Film Festivals statt.

Open-Air-Screening | 11.07.2026

Carrying

Bereits im Titel verweist „Carrying“ darauf, wie Orte bestimmte Geschichten mittragen. Das Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt aktiviert verschiedene Räume inner- und außerhalb des Museums Brandhorst. Internationale Künstler:innen, darunter Hêlîn Alas, Cana Bilir-Meier, Louise Lawler, Kate Newby, Tiffany Sia, Jaune Quick-to-See Smith und Leyla Yenirce, besetzen historisch aufgeladene Orte – wie Cy Twomblys „Lepanto“-Saal oder das sogenannte Türkentor. Architektonische Interventionen, Performances, Malereien sowie Sound- und Filmarbeiten treten in Dialog mit dem Museum und befragen die Verschränkung von militärischer und kultureller Macht.

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