Mark Leckey: Fiorucci Made Me Hardcore & Pearl Vision
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Im Rahmen der Jubiläumsausstellung „Forever Young – 10 Jahre Museum Brandhorst“ werden neue Werkblöcke und wichtige Künstler:innen der Sammlung Brandhorst vorgestellt. Von November 2019 bis Juli 2020 rückt Mark Leckey in den Fokus: Zu sehen sind seine Videoarbeiten „Fiorucci Made Me Hardcore (20 Year Anniversary Remaster)“ (1999–2019) und „Pearl Vision“ (2012). Ersteres ist eine Hommage an die britische Klubkultur seit den 1970er-Jahren, Letzteres zeigt exemplarisch Leckeys Auseinandersetzung mit der affektiven oder emotionalen Bedeutung von Objekten aus Pop- und Konsumkultur.
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Patrizia Dander
Es war nicht immer abzusehen, dass Mark Leckey zu den einflussreichsten Künstler:innen seiner Generation zählen würde. Er wurde 1964 in Birkenhead, nahe Liverpool, geboren. Schon 1990 schloss er sein Kunststudium am Newcastle Polytechnic ab. Doch erst sein Video „Fiorucci Made Me Hardcore“ – eine Hommage an die britische Klubkultur seit den 1970er-Jahren, produziert für die Ausstellung „Crash!“ im Institute of Contemporary Arts in London – brachte ihm 1999 den Einstieg in die Kunstszene. Damit legte er den Grundstein für sein Werk, das sich an der Schnittstelle von bildender Kunst, Popkultur und Technologie verortet und für das ihm 2008 der renommierte Turner Prize verliehen wurde. Darauf folgten zahlreiche große Einzelausstellungen: an der Serpentine Gallery in London (2011), dem WIELS in Brüssel und dem Münchner Haus der Kunst (beide 2015), am MoMA PS1 in New York (2016/2017) und an der Tate Britain in London (2019/2020).
Geprägt von dem nostalgischen Wunsch, den eigenen Jugenderinnerungen Ausdruck zu verleihen, montierte Leckey in „Fiorucci Made Me Hardcore“ Material aus den Tagen und Nächten des Northern Soul, der Casuals und Raver, das er in aufwendigen Recherchen zusammengetragen hatte, zu einem hypnotisierenden Video. Unterlegt mit einem Soundtrack des Künstlers wurde „Fiorucci“ zu seinem Schrein aus Mode, Musik- und Klubkultur. Gleichzeitig schuf er, in den Worten des Musikkritikers Simon Reynolds, ein Abbild der „wahrscheinlich besten Momente in vielen jungen britischen Leben der letzten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts […]. Ihre Sternstunde.“ Diese Fähigkeit, eigene Erfahrungen und gesellschaftliche Phänomene miteinander zu verbinden, beschreibt im Kern die Qualität von Leckeys Schaffen: Er nutzt die materiellen Dokumente der Erlebnisse anderer zur Illustration seiner eigenen. Während ihm dazu in den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren vor allem Videotapes und Fotoabzüge dienten, sind es heute vorwiegend im Internet zirkulierte, digitale Dateien.
In seinen Arbeiten geht es um unsere affektive Beziehung zu den Dingen, um das Begehren, das von der Pop- und Konsumkultur genährt wird. Leckey sagt: „Ich bin ein Fetischist, ich fetischisiere Dinge, ich fühle mich zu diesen Dingen hingezogen und stehe völlig in ihrem Bann, und ich muss sie in irgendeiner Weise besitzen, denn ich fühle mich von ihnen besessen.“ Solche Sehnsüchte werden in „Pearl Vision“ (2012) im digitalen Raum ausagiert. Dieser ermöglicht ihm zumindest eine „Ersatz“-Begegnung mit dem Objekt seiner Begierde: Sein Körper scheint mit der computeranimierten Snare Drum zu verschmelzen. Dass seine Verschmelzungsfantasien durchaus humorvollen, wenn nicht selbstironischen Charakter haben, legt der Gesang aus dem Off nahe. Denn die Aufforderung der Snare Drum, „Turn me on“ – „mach mich an“ –, oder das verzückt-jubelnde „Me and You, Me and You“ würde voraussetzen, dass sie Leckeys Begehren erwidert.