Museum Brandhorst

R.H. Quaytman

Die in New York lebende US-amerikanische Künstlerin R.H. Quaytman (*1961 Boston/MA) ist Malerin. Ihre Malerei bezieht sich aber immer dezidiert auf diejenigen Räume, Orte und Kontexte, in denen ihre Bilder das erste Mal präsentiert werden. Dies kann eine architektonische Eigenheit des Ausstellungraumes sein, der Anlass einer Preisverleihung oder ein spezifisches Thema ihrer Recherche oder einer Gruppenausstellung. Quaytmans künstlerische Praxis steht daher programmatisch für eine Malerei, die die sozialen und historischen Zusammenhänge, in denen sie steht, in sich aufnimmt. Seit 2001 folgt ihre Arbeit einem strengen System: Sie stellt ihre Bilder, wie in einem Buch, zu Kapiteln zusammen und verwendet nur sieben bestimmte, vom Goldenen Schnitt ausgehende, Formate. Dabei entspricht jedes Kapitel einer Werkgruppe, die sich einem bestimmten Thema widmet.

Quaytman hält an der Malerei fest, wohl wissend, wie schwierig es für Gemälde ist, sich in der digitalen Bilderflut unserer Gegenwart zu behaupten. Sie bringt Malerei in Dialog mit Fotografie, Bildbearbeitung und Drucktechniken – auch um herauszufinden, wie sie in ihren Bilder persönliche Erfahrungen und Erinnerungen speichern und ihre individuelle Biografie mit dem Lauf der Welt in Verbindung bringen kann.

Das Bild „Castle Pfalz“ (2014) steht exemplarisch für die künstlerische Arbeit Quaytmans. Es ist für eine Ausstellung in Köln entstanden, bei der sich vier amerikanische Künstlerinnen und Künstler mit der Geschichte zweier Städte im Bundesstaat Massachusetts auseinandersetzten. Einer der Orte trägt den Namen Quincy. Quaytman stammt aus der Familie Quincy, die der Stadt ihren Namen gab. Eine ihrer Vorfahrinnen, die Schriftstellerin Eliza S.M. Quincy, erwähnte in ihren Memoiren die titelgebende „Castle Pfalz“, gemeint war die Burg Pfalzgrafenstein bei Kaub im Rheinland. Von dort wanderte die Familie einst in die Vereinigten Staaten aus. Der halb aufgeschlagene Fächer, den Quaytman an so prominenter Stelle von Hand ins Bild setzt, gehörte eben jener Eliza. Der Fächer ist nicht nur Brücke in die Vergangenheit, er ist ein Bild im Bild, das sein Motiv jedoch nicht ganz preisgibt. Überhaupt fällt es schwer, ihm Aufmerksamkeit zu schenken, so stark flirrt das in schwarz und rot gedruckte Op-Art-Muster der weiteren Komposition vor unseren Augen. Wir schauen, können aber nichts richtig erkennen. Vieles bleibt unklar. So geht es uns auch, wenn wir versuchen, in unsere eigene Vergangenheit zu blicken. Quaytman nimmt in „Castle Pfalz“ Bezug auf ihre persönliche Geschichte, ihr Bild bleibt aber weitestgehend abstrakt.

Dieses Flirren, der Abstand zwischen der Darstellung von historischen Artefakten und der individuellen und emotionalen Dimension von Erinnerung, ist eine der größten Stärken von Quaytmans Malerei. Das Spannungsverhältnis zwischen der individuellen Person und den abstrakten Kräften der Malerei ist zentral für die Künstlerin. Daher benutzt sie als Autorin auch nicht ihren vollen Namen, sondern die Initialen ihres Vornamens Rebecca und des Familiennamens ihrer Mutter, Howe.

R.H. Quaytmans „Castle Pfalz“ wird im Museum Brandhorst erstmals im Rahmen der Ausstellung „Schiff Ahoy – Zeitgenössische Kunst aus der Sammlung Brandhorst“ präsentiert.

R.H. Quaytman, "Castle Pfalz", 2014
		Siebdruckfarbe und Gouache auf Gesso auf Holz
		133 x 82 cm
		Foto: Galerie Buchholz

R.H. Quaytman, "Castle Pfalz", 2014


Siebdruckfarbe und Gouache auf Gesso auf Holz
133 x 82 cm
Foto: Galerie Buchholz