Museum Brandhorst

Louise Lawler

Seit den frühen 1980er Jahren fotografiert Louise Lawler Kunst, wie sie in Museen und Privatsammlungen ausgestellt, in Auktionshäusern zum Kauf angeboten, in Depots gelagert oder in Museen restauriert wird. Lawler demonstriert, dass Kunstwerke keine in sich abgeschlossenen, autonomen Objekte sind, denen wir neutral gegenüberstehen. Vielmehr ändert sich deren Bedeutung und unsere persönliche Beziehung je nachdem, wo und in welchem Zusammenhang sie präsentiert werden. So enthüllt Lawler nicht nur die verdeckten ideologischen Gehalte unserer ästhetischen Anschauung, sondern entlockt den einzelnen Kunstwerken, so als wären sie selbst Akteure, neue "Charakterzüge" und Geschichten.
Die neu erworbene Installation "No Drones" von Louise Lawler besteht aus Fotografien von zwei Gemälden Gerhard Richters ("Mustang-Staffel" und "Schädel"), aufgenommen während ihrer Hängung in dem 2010 neu eröffneten Albertinum in Dresden – der Geburtsstadt Richters, die im Februar 1945 in nächtlichen Angriffswellen durch britische und US-amerikanische Bomber schwer beschädigt wurde. In der Mitte von Lawlers Installation hängt eine Discokugel, die sich wie eine Abrissbirne knapp über dem Boden dreht. Alle 20 Minuten schaltet sich automatisch die Museumsbeleuchtung aus, um durch ein Lichterspiel ersetzt zu werden. Die durch den Raum fliegenden weißen Lichtpunkte werden ergänzt von einer grünen und roten Laser-Choreografie, die ebenso sehr an Außenwerbung wie an Präzisionswaffen und ferngesteuerte Zielerfassung erinnert. Damit evoziert sie ein visuelles Repertoire – die bekannten Nachtaufnahmen von Luftangriffen während des Irakkriegs 1990/1991 – das lange die Medienbilder von Kriegen und Konflikten bestimmte. Diese subtile Kritik an einer Berichterstattung, die sich zunehmend an Methoden der Unterhaltungsindustrie orientiert, wird durch das „memento mori“ des Totenschädels in „Civilian“ verstärkt.
Die Fotografie von Gerhard Richters Bild der britischen Kampfflugzeuge existiert zweimal: als traditionell präsentierte Fotografie und als Wandtapete. Dieser großformatige Vinyldruck verzerrt das Motiv jedoch entsprechend den Proportionen der Wand. Diese manipulativen Möglichkeiten der zeitgenössischen Fotografie erweitern die bereits bei Gerhard Richter angelegte Reflexion über Medienbilder in unserer Gesellschaft – etwa wie wir uns an Bilder des Zweiten Weltkrieges erinnern.

Louise Lawler | Installation view 'No Drones', Sprüth Magers London, November 23 - December 23, 2011
		© Louise Lawler

Louise Lawler | Installation view 'No Drones', Sprüth Magers London, November 23 - December 23, 2011






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