Museum Brandhorst

Kerstin Brätsch

Die Malerin Kerstin Brätsch (*1969 in Hamburg, lebt in New York) hat in den letzten zehn Jahren ein außergewöhnlich vielfältiges Werk geschaffen. Es umfasst Malereien auf Papier und Polyesterfolie, Fotografien und Diaserien, Glasarbeiten, Marmorierungen, aber auch Performances und kollaborative Projekte als DAS INSTITUT (mit Adele Röder) und KAYA (mit Debo Eilers und Kaya Serene). Bei aller Vielfalt geht es in jeder ihrer Werkgruppen um Malerei als Medium und als historischer Referenzrahmen.

Die beiden großformatigen Marmorierungen mit dem Titel "Unstable Talismanic Rendering" gehören zu einer Serie von Arbeiten, die Kerstin Brätsch 2013 begonnen hat. In ihren abstrakten Formen eröffnen sie vielfältige Assoziationen. Man meint darin Körper, Gesichter, aber auch topographische Anordnungen oder Zellsysteme zu erkennen. Die Marmorierungen bewegen sich also in einem transformativen Spektrum von Mikro- zu Makro-Perspektive, sie erlauben ein Ein- und Auszoomen aus dem Bild. Gleichzeitig haftet ihnen eine archaische Qualität an, die sich aus den basalen Gestaltungsmöglichkeiten bei dieser Technik ergibt.

Beim Marmorieren werden Farben auf ein Leimbad aufgebracht und bearbeitet; darauf wird dann ein Bogen Papier gelegt, an dem die Farben haften bleiben. Dieser Vorgang lässt sich nur je einmal ausführen, sodass jedes Bild dieser Serie ein Unikat ist. Was zunächst nach einem unaufwändigen Prozess klingt, bedarf im Falle der großen Papierformate kunsthandwerklicher Fertigkeiten, die sich Brätsch in den vergangenen Jahren mit Hilfe des Marmoriermeisters Dirk Lange angeeignet hat. Ausgangspunkt aller Bildelemente ist tropfenförmig aufgebrachte Farbe - große Formen entstehen durch Tropfen aus großer Höhe, kleine Elemente durch Tropfen dicht über der Oberfläche. Die Farbe kann mit verschiedenen Hilfsmitteln manipuliert werden, allerdings lässt sich bei Marmorierungen nicht im klassisch formgebenden Sinn malen. Sie sind weniger über motivische Vorstellungen als über die physischen Qualitäten der Farbe und die Gesetzmäßigkeiten der Schwerkraft definiert. Die Bilder entstehen in der Aufsicht ohne ein klar definiertes Oben und Unten, was Kerstin Brätsch dazu bewegt, das Leimbad als Äquivalent zum Flachbett-Scanner zu betrachten - ein Vergleich, der auch insofern passend erscheint, als die Farbe wie ein Film auf dem Papier ist und daher keine haptische Tiefenwirkung entwickelt, wie sie der Malerei in ihrer Materialität üblicherweise eigen ist.

Kerstin Brätsch | Unstable Talismanic Rendering 30 (With Gratitute to Master Marbler Dirk Lange), 2014 Tinte und Lösungsmittel auf Papier
		278.1 x 182.9 cm © Kerstin Brätsch
Kerstin Brätsch | Unstable Talismanic Rendering 19 (With Gratitute to Master Marbler Dirk Lange), 2014 Tinte und Lösungsmittel auf Papier
		278.1 x 182.9 cm © Kerstin Brätsch

Kerstin Brätsch | Unstable Talismanic Rendering 30 (With Gratitute to Master Marbler Dirk Lange), 2014

Kerstin Brätsch | Unstable Talismanic Rendering 19 (With Gratitute to Master Marbler Dirk Lange), 2014

Tinte und Lösungsmittel auf Papier
278.1 x 182.9 cm
© Kerstin Brätsch
Tinte und Lösungsmittel auf Papier
278.1 x 182.9 cm
© Kerstin Brätsch