Museum Brandhorst

Amy Sillman

Die Bilder der amerikanischen Künstlerin Amy Sillman (*1955 in Detroit/MI, lebt in New York) kreisen um die Themen des Körpers und der Körperlichkeit in der Malerei. Sie sind bevölkert von isolierten Elementen wie Händen, Köpfen, Armen, die mehr oder weniger lose in die meist abstrakte Bildkomposition  integriert sind. Als Umrisszeichnungen in cartoonartigem Stil ausgeführt sind sie mehr fragmentierte Andeutungen als konkrete Ausformulierungen von Körperteilen, ebenso souverän skizziert wie vorsichtig auf dem Bildgrund platziert.
In "Fatso" (Fettwanst) thront eine unglücklich dreinblickende Figur in der Mitte des Bildes; einäugig und mit herabgezogenen Mundwinkeln liegt der Kopf auf einem massigen und unförmigen Körper. Wohin sie ihren Blick richtet, was Auslöser dieser Stimmung sein mag, lässt sich dem Bild nicht entnehmen – vage Andeutungen von Formen verschwimmen in grob gemalten, monochromen Flächen. Vielleicht ist das Bild vor allem Ausdruck des Unbehagens hinsichtlich des eigenen Leibes?
Auch "Nose Job" (Nasenkorrektur) lässt sich nicht eindeutig lesen: Die Komposition ist dominiert von einer Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger, die in eine nur grob definierte, grüne Fläche hineinreicht. Was genau sie dort verfolgt, oder aufzeigen will, bleibt verborgen. Doch die Idee körperlicher Selbstoptimierung schwingt im Titel mit. In diesem Spannungsfeld von Peinlichkeit und Perfektion, dem Erkennen des eigenen Körpers und seiner gleichzeitigen Ungreifbarkeit, bewegen sich Sillmans Malereien auf ebenso humorvolle wie abgründige Weise.
Gemeinsam ist ihren Bildern – in der Konfrontation abstrakter und figürlicher Bildelemente, die sich bei genauer Betrachtung nicht eindeutig voneinander trennen lassen – das Spiel mit Lesbarkeit und Verschwinden, mit Andeutung und Verschleierung. Sie spiegeln das Malen als forschenden Prozess, als Versuch des Erkennens und Verstehens, wider: "Das Bildermalen ist für mich eine Grenzerfahrung: noch nicht bewusst, im Werden begriffen, noch nicht gesehen, erinnert werden." Die großformatigen Bilder begegnen dem Betrachter jeweils als physisches Gegenüber, geradezu als eigenständiger Körper – ganz so wie Sillman auch das Malen selbst versteht: "Die Malerei ist für den Künstler nicht auf die Wahrnehmung über die Netzhaut beschränkt, sie ist eine Ganzkörpererfahrung." Sillman schließt in ihrer malerischen Produktion an Künstlerinnen und Künstler der 1950er Jahre an, die, wie beispielsweise Willem de Kooning oder Maria Lassnig, die körperliche Erfahrung abstrakter gestischer Malerei zur figurativen Darstellung nutzen. In ihren Arbeiten greift auch sie malerische Darstellungen moderner körperlicher Verfasstheit auf und aktualisiert dieses historische Vokabular, um den unklaren Körperbildern, Blicken und Erfahrungen unserer Gegenwart ein Bild zu geben.
Sillmans Bilder werden erstmals im Rahmen der Ausstellung "Painting 2.0: Malerei im Informationszeitalter" im Museum Brandhorst präsentiert.

Amy Sillman | Fatso, 2009 Öl auf Leinwand
		231.1 x 213.4 cm © Amy Sillman
Amy Sillman | Nose Job, 2014/2015 Öl auf Leinwand
		190.5 x 167.6 cm © Amy Sillman

Amy Sillman | Fatso, 2009

Amy Sillman | Nose Job, 2014/2015

Öl auf Leinwand
231.1 x 213.4 cm
© Amy Sillman
Öl auf Leinwand
190.5 x 167.6 cm
© Amy Sillman