Museum Brandhorst

Picasso Künstlerbücher

24. November 2010 bis 6. März 2011

Museum Brandhorst | Kunstareal München
Museum Brandhorst | Kunstareal München
Bildnachweis: Foto: Haydar Koyupinar
Bildnachweis: Foto: Haydar Koyupinar

Die erste Ausstellung im Museum Brandhorst zeigte seinen umfangreichen Bestand an Künstlerbüchern.
Vom 9. April bis 13. Juni 2011 war die Ausstellung im Kupferstich-Kabinett Dresden zu sehen.
Nach der erfolgreichen Eröffnungsphase trat das Museum Brandhorst erstmals mit einer Ausstellung an die Öffentlichkeit: „Picasso Künstlerbücher“. Damit wurde in einer exemplarischen Auswahl ein bisher nicht gezeigter Teil der Sammlung Brandhorst zugänglich gemacht.
Picasso war einer der produktivsten Künstler des 20. Jahrhunderts, auch auf dem Gebiet des Künstlerbuchs. Zwischen 1905 und 1973 gestaltete er mehr als 150 Bücher, von denen die bedeutendsten in dieser außergewöhnlichen Ausstellung vorgestellt werden. Mit über 100 Werken ist die Sammlung Brandhorst eine der umfassendsten auf diesem Gebiet. Zu sehen waren ca. 85 Künstlerbücher Picassos. Im Mittelpunkt der Ausstellung standen seine Experimentierfreude im Umgang mit druckgraphischen Techniken und künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten sowie seine enge Zusammenarbeit mit Schriftstellern und Verlegern.

René Char-Abend am 15. Februar 2011
Stellvertretend für die Literaten und Freunde, deren Werke Picasso mit Grafiken ausstattete, wurde im Rahmen einer Veranstaltung am 15.02.2011 der Blick auf René Char (1907–1988) gelenkt, den Albert Camus für den „bedeutendsten Lyriker Frankreichs“ hielt.

Im Mittelpunkt des Abends stand die Aufführung des Werks „Le Marteau sans Maître“ („Der herrenlose Hammer“) von Pierre Boulez.  Eingerahmt wurde das Konzert des Münchner Kammerorchesters, der Münchner Philharmoniker und des Ensembles trioLog durch die Lesung verschiedener Gedichte René Chars durch Stefan Hunstein und einer Performance am Bass („Allégeance“) durch den französischen Improvisationsmusiker Bruno Chevillon sowie die Aufführung der „Anspielung“ von Josef Anton Riedl.

Gespräch mit Werner Spies 8. Februar 2011
Werner Spies, seit fast einem halben Jahrhundert als Kritiker für die Frankfurter Allgemeine Zeitung tätig, ist zweifellos seit langem der wichtigste kulturelle Vermittler zwischen Frankreich und Deutschland. Er hat sich als Ausstellungskurator und Direktor des Musée national d’art moderne, Centre Georges Pompidou (1997-2000) intensiv um das Œuvre vieler großer Künstler des 20. Jahrhunderts bemüht und diese nicht nur in zahllosen, teilweise epochalen Ausstellungen vergegenwärtigt, sondern auch in einer Fülle von profunden Aufsätzen und Büchern analysiert. Das Gespräch mit Armin Zweite, langjähriger Direktor der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen und seit 2008 Direktor der Sammlung Brandhorst, thematisierte die Bedeutung Picassos für die Kunst des 20. Jahrhunderts und lenkte dabei auch den Blick auf das immense graphische Oeuvre, das im Mittelpunkt der Ausstellung im Museum Brandhorst stand. In den Abend führte Carla Schulz-Hoffmann ein, ehem. stellvertretende Generaldirektorin der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.

Lautpoesie und Lautgedichte am 11. Januar 2011
„Fümms bö wö tää zää …", so ließ Kurt Schwitters 1921 seine berühmte „Ur sonate";; anheben. Sie gilt bis heute als ein Hauptwerk der Lautpoesie, in der die Sprache von jeglichen semantischen Zwängen befreit und mit anarchischer Phantasie in pure Lautlichkeit, zwischen Literatur und Musik, verwandelt wird. Eine der bedeutendsten Schriften zum Thema, „Poesie de mots inconnus“ von 1949, enthält alle bis dahin entstandenen Hauptwerke der Lautpoesie. Versehen auch mit Grafiken Picassos wurde sie im Rahmen der Ausstellung „Picasso Künstlerbücher"; gezeigt und war Anlass für einen amüsanten, der Lautpoesie gewidmeten Abend mit dem rezitierenden Lautkünstler Valeri Scherstjanoi und mit einer Filmvorführung von Josef Anton Riedls Musikstück „Papermusic".

Katalog: Picasso Künstlerbücher
Der Ausstellungskatalog, herausgegeben von Armin Zweite und Nina Schleif, führt in das Thema der Künstlerbücher Picassos mit kenntnisreichen Texten von Burcu Dogramaci, Birgitta Heid, Oliver Kase, Cathrin Klingsöhr-Leroy, Oliver Linke, Bernhard Maaz, Uta Piereth, Silke Reiter, Anna Rühl, Nina Schleif, Veit Ziegelmaier, Armin Zweite. Die Publikation enthält ca. 200 neue, aufwendig angefertigte Aufnahmen und ist im Hirmer Verlag (ISBN 978-3-7774-3101-7) erschienen.

Die Museumsausgabe ist für 39,00 € im Museum in der Buchhaltung Walther König erhältlich.
Hier erhalten Sie zusätzliche Informationen über die Publikation.

„Die erste Sonderausstellung (…) zeigt Picasso als Schöpfer von Künstlerbüchern, und es ist damit etwas Hervorragendes gelungen. Kunst in Büchern ist nicht gerade ein Lieblingsthema von Kuratoren, die meistens Mühe haben, die als verstaubt geltende Materie publikumswirksam aufzubereiten: Bücher entfalten ihren Reichtum schließlich beim Blättern, in Vitrinen stellen sie sich gern tot. Aber die Kuratorin Nina Schleif meistert die Klippen glänzend, allerdings konnte sie auch aus dem Vollen schöpfen: Gut zwei Drittel der 156 von Picasso ausgestatteten literarischen Werke haben Anette und Udo Brandhorst zu einer der größten und bedeutendsten Kollektionen ihrer Art zusammengetragen (…).“
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Brita Sachs

„Diese erste Wechselausstellung im Museum Brandhorst erscheint rundweg gelungen – und ist eine Überraschung (…). Es ist die Fülle an Techniken, Themen, Motiven, Formaten, Ideen, die fasziniert.“
Süddeutsche Zeitung, Christoph Wiedemann

„Diese zermahlenen, ins Zweidimensionale gezwungenen Wälder mit ihren rätselhaften Zeichen und Zeichnungen sind leicht zu begreifen, auch wenn man sie in ihren Glasrahmen und -vitrinen nicht berühren kann. Sie leuchten ein – was auch an der Ausstellungsarchitektur liegt, die die Werke in sechs dämmrigen Kabinetten im sanften Lichtkreis schwebend vor Augen führt …“
 BR Online

Zur Vielfalt von Picassos Künstlerbüchern: „Zum Glück wird das sogar in den etwas engen, kabinettgleichen Gemächern dieses Privatmuseums spürbar dank der geschickten Konzeption der Kuratoren Nina Schleif und Armin Zweite und dem von den Museumsarchitekten entworfenen Ausstellungsdesign.“
KulturWelt, Bayern 2, Wilhelm Warning

„Museumschef Armin Zweite legte sich (…) jetzt mächtig ins Zeug, um diesen Schatz auch wirklich als Schatz zu präsentieren und nicht als biedere Bücherschau für die doch eher kleine Gemeinde eingefleischter Bibliophiler.“
Münchner Merkur, Simone Dattenberger

„In der ebenso intimen wie originellen Ausstellungsarchitektur der Museumsarchitekten Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton (…) entdeckt man, dass Picasso sich mit vielerlei Literatur befasste.“
Augsburger Allgemeine, Angela Bachmair

„Hier ist (…) eine Bücherschau zu sehen, der es beispielhaft gelingt, die Exponate in Szene zu setzen und den Betrachter zu verlocken, seiner Neugierde zu folgen. Durch klug durchdachte Vitrinen scheinen die Blätter gleichsam zu schweben, und das blendfreie Licht sorgt dafür, dass man zuweilen vergisst, dass zwischen den kostbaren Papieren und den eigenen Augen noch eine Glaswand ist.“
Donaukurier, Anette Krauß

„Buchkunst zu präsentieren ist nicht einfach. (…) Für die aktuelle Schau hat das Architekturbüro Sauerbruch Hutton individuelle Vitrinen mit entsprechender Lichtregie gebaut, die den unterschiedlichsten Exponaten gerecht werden.“
Weltkunst, Gloria Ehret

„Vielleicht regt die Ausstellung andere Kuratoren an, das Buch als Träger großartiger Kunst stärker ins Visier zu nehmen.“
Portal Kunstgeschichte, Günter Baumann

„(...) der Katalog „Picasso. Künstlerbücher“ nichts weniger als ein neues Standardwerk zu einem überraschend schlecht bearbeiteten Feld im Schaffen des Künstlers geworden, das nicht nur mit klugen Texten, sondern auch und vor allem mit hervorragenden, geradewegs plastischen Abbildungen glänzt"
titel-magazin, Sebastian Karnatz