Museum Brandhorst

Reading Andy Warhol

18. September 2013 bis 12. Januar 2014

Museum Brandhorst | Kunstareal München
Museum Brandhorst | Kunstareal München
© 2014 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Artists Rights Society (ARS), New York, Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen
© 2014 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Artists Rights Society (ARS), New York, Foto: Werner Reichel

War Andy Warhol ein Intellektueller oder doch ein Comicleser? Dass der berühmteste Pop Art Künstler ein sehr inniges Verhältnis zu Büchern hatte, wissen bis heute auch viele Kenner nicht. Die Ausstellung im Museum Brandhorst zeigt erstmals, dass Warhol seit seinen Studientagen in den vierziger Jahren bis zu seinem Tod 1987 durchgängig kreativ an Büchern arbeitete.

Illustrationen berühmter Romane fertigte er bereits während seines Studiums an. Als erfolgreicher Grafiker schuf Warhol in den fünfziger Jahren verspielte Themenhefte, die er in der New Yorker Modewelt als Werbegeschenke verteilte. Schon bald erhielt Warhol Aufträge von großen Verlagen wie Doubleday oder New Directions, um Bucheinbände zu entwerfen sowie Koch- oder Kinderbücher zu illustrieren. In den frühen Jahren der Factory überließ der mittlerweile berühmte Maler befreundeten Dichtern Siebdrucke und Fotos für ihre Gedichtbände. Schließlich stellte er mit Factory-Künstlern Bildbände aus dem dort entstandenen Film- und Fotomaterial zusammen.
 
Aus Tonbandaufnahmen schuf er Texte, die herkömmliche Literaturgenres sprengten und zugleich ein Bild von Warhol selbst geprägt haben, das bis heute die Rezeption seines Werkes bestimmt. In dieser chronologisch angelegten Überblicksschau offenbaren die von Warhol gestalteten Bücher eine überraschend unbekannte Seite des berühmten Künstlers.

Leihgeber
In den Künstlerbuch-Beständen der Sammlung Brandhorst befinden sich Exemplare der wichtigsten Künstlerbücher aus den fünfziger Jahren sowie mehrere der Fotobücher. Ergänzend leiht die Bayerische Staatsbibliothek München wichtige Exponate aus ihren vorzüglichen Warhol-Beständen.  Bedeutende Leihgaben von Unikaten kommen aus dem Williams College Museum of Art, das über eine einzigartige Sammlung früher Warhol-Werke verfügt, sowie kürzlich entdeckte Manuskripte aus amerikanischem Privatbesitz. Eine Reihe von Büchern wird zudem von privaten deutschen Leihgebern zur Verfügung gestellt.

Katalog
Der Katalog ist die erste Monographie zu Warhols Büchern und erscheint in deutscher und englischer Ausgabe. Mit über dreihundert Abbildungen und zwölf Beiträgen deutscher und amerikanischer Experten enthält er einführende Texte zu bestimmten Genres sowie detaillierte Beiträge zu Einzelwerken. Leser gewinnen einen Überblick über Warhols facettenreiche buchkünstlerische Produktion von den vierziger bis in die achtziger Jahre. Bereichert durch bislang unbekanntes Archivmaterial aus Warhols Nachlassarchiv bieten Ausstellung und Katalog einen ganz neuen Blick auf den wohl berühmtesten Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.   

Kuratorin: Dr. Nina Schleif

Aus konservatorischen Gründen ist die zulässige Gruppenanzahl (mit jeweils maximal 15 Personen) in der Ausstellung begrenzt. Wir bitten Sie daher um vorherige Gruppenanmeldung unter buchung@pinakothek.de.

DIALOGFÜHRUNGEN
Schrift und Typografie
Mit Oliver Linke, Typographische Gesellschaft München, und Nina Schleif
MI 08.01., 15.00 Uhr
Begrenzte Teilnehmerzahl

Schein und Sein bei Warhol
Mit Uta Piereth und Nina Schleif
DO 09.01., 18.30 Uhr

AUSSTELLUNGSFÜHRUNGEN

Jeden DI, 15.00 Uhr

AUSSTELLUNGSFÜHRUNGEN ÜBER DIE MVHS
Jeden SO, 14.00 Uhr, 8,00 € zzgl. Sonntagseintritt

FÜR ALLE FÜHRUNGEN GILT: 

Begrenzte Teilnehmerzahl. Anmeldung 1 Stunde vorab an der Museumskasse

 

VORTRAG Neil Printz, „Other Voices, Other Rooms:
Between Andy Warhol and Truman Capote"
Vortrag in englischer Sprache
MI 20.11., 18.30 Uhr, Eintritt frei | Museum Brandhorst

Andere Stimmen, andere Räume (engl. Original: Other Voices, Other Rooms) war der lang erwartete erste Roman des amerikanischen Schriftstellers Truman Capote. Das Buch erschien 1948, als Warhol noch Kunst in Pittsburgh studierte. Warhols Besessenheit mit Capote geht auf diese Zeit zurück und seine Fanbriefe an den etwas älteren und bereits sehr erfolgreichen Schriftsteller sind zu einem Topos in der Warhol-Literatur geworden. Neil Printz, Herausgeber des Warhol-Werkverzeichnisses, wird in seinem Vortrag diese überaus produktive Faszination Warhols mit Capote untersuchen, seinen unglücklichen Status als junger Fan und die mehrdeutigen Nachrichten und visuellen Signale, die beide in den späten vierziger und frühen fünfziger Jahren, also zu Beginn von Warhols Karriere, austauschten.

FILME jeweils um 11.00 Uhr, Eintritt frei
Ernst von Siemens-Auditorium, Pinakothek der Moderne

SO 29.09. „Asphalt Cowboy“ (OmU)
OmU, 108 min., FSK 16

In dem von John Schlesinger gedrehten Film Asphalt Cowboy (amerik. Originaltitel Midnight Cowboy, 1969) sah Andy Warhol – nicht ohne Neid – die kostspieligere Hollywoodfassung einiger seiner eigenen Filme wie My Hustler (1965) und Lonesome Cowboy (1969). Der mit John Voight und Dustin Hoffmann prominent besetzte und später mit drei Oscars ausgezeichnete Streifen über einen New Yorker Stricher und dessen schillerndes aber unglamouröses Umfeld suchte einen authentischen Eindruck der damaligen New Yorker Underground Szene zu geben. Gedreht im Sommer 1968 konnte er zwar nicht mit Andy Warhol selbst, der gerade einem Attentat entgangen war, aufwarten, dagegen aber mit einer Handvoll damaliger Weggefährten aus der Factory, die als Statisten eigens angeworben worden waren. In einer Partyszene mit dieser Besetzung fing Schlesinger das Flair von Warhols Umfeld ein.

SO 01.12. „Capote“ (OmU) 
OmU, 110 min., FSK 12

Mit Truman Capote verband Warhol eine Freundschaft, die erst mit dem Tod Capotes 1984 endete. Allerdings hatte sie einseitig begonnen, denn Warhol war zunächst nur einer der vielen Fans des mit 23 Jahren zu Ruhm gekommenen Schriftstellers. Er schrieb diesem unerwiderte Briefe und suchte dann die Freundschaft mit Capotes Mutter, um dem Autor näher zu kommen. Schließlich stellte er auch Zeichnungen nach Capotes Kurzgeschichten in einer Galerie aus, in der Hoffnung, dessen Aufmerksamkeit zu erregen. Diese erste Einzelausstellung war für Warhol jedoch in künstlerischer wie persönlicher Hinsicht enttäuschend. Capote freundete sich erst mit ihm an, als er als Pop Künstler bekannt geworden war. Der mit einem Oscar für den besten Hauptdarsteller (Philip Seymour Hoffman) ausgezeichnete Film Capote (2005) konzentriert sich auf die sehr eigenwillige Persönlichkeit Capotes und auf die Entstehung seines vielleicht größten literarischen Erfolgs, der nacherzählten wahren Geschichte der Auslöschung einer Familie durch zwei Vagabunden im Mittleren Westen, die seinerzeit die amerikanische Öffentlichkeit bewegte.

Katalog: Reading Andy Warhol Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Hatje Cantz Verlag in deutscher und englischer Ausgabe
(304 Seiten, ca. 310 Abb., ISBN 978-3-7757-3706-7, Museumsausgabe ca. 39,80 €).

Hörfunk-Beitrag von Wilhelm Warning: Kulturwelt auf Bayern 2

TV-Beitrag auf München TV

TV-Beitrag von Gaby Weber in der BR-Rundschau

„Mit großartigen Zeichnungen aus den fünfziger Jahren zeigt die Staatliche Graphische Sammlung einen bisher wenig bekannten Warhol vor Warhol, und das Museum Brandhorst füllt eine Fehlstelle mit der weltweit ersten Schau zu Warhol’s Büchern. […]“
„Einigen Motiven begegnet man auf Buchtiteln wieder, wo Nina Schleif die Pionierschau zu Warhols kreativer Arbeit an Büchern auf die Beine stellte, auch dies noch eine weitgehend unterbelichtete Seite Warhols. Zu ihrem Erstaunen fand die Kuratorin rund hundert Titel, an denen er als Illustrator, Autor oder Verleger beteiligt war. Die Liste dürfte in Zukunft länger werden, die Warhol-Forschung betritt hier gerade erst Neuland und bekam mit dem ausgezeichneten Katalog eine fabelhafte Grundlage. […]“
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 23. September 2013, Brita Sachs

„Disappointingly, a recent research trip to Munich ended just before the opening of Reading Andy Warhol at the Brandhorst Museum. I was able to visit ‘behind the scenes’ with the curator, Nina Schleif, to see the final stages of preparation for this exhibition of books by Warhol, and it would clearly have been an excellent review subject. Not only the content but also the conceptualisation of the exhibition was exciting: even in its incomplete state, the layout and custom-built displays revealed an innovative and imaginative approach to the difficult task of exhibiting books.“
Museum Worlds, Elizabeth Rankin

“The Museum Brandhorst is currently showing Warhol’s various book-centric endeavours together for the very first time, spanning his student days in the 1940s to his death in 1987. In typical Warholian fashion, Andy created artwork for both kitsch and avant-garde literature, rendering them indistinguishable in process. […]”
Huffingtonpost.com vom 29. Oktober 2013, Priscilla Frank

„Die Schau kann auf eine fulminante Brandhorst-Sammlung an Künstlerbüchern bauen, bekam zudem Leihgaben von der Bayerischen Staatsbibliothek und aus den USA. Sie zeigt, das Warhol zeit seines Lebens Bücher entwickelte. Auch – liebe- und respektvoll kindgerecht – für die Kleinen. Wie man überhaupt bei jedem Schritt durch die elegant inszenierte Präsentation seine Hingabe an die Literatur und ans Buch-Handwerk an sich spürt. (…)“
tz vom 21. September 2013, Simone Dattenberger
Münchner Merkur vom 18. September 2013, Simone Dattenberger

„Reading Andy Warhol“ – mit faszinierenden Künstlerbüchern zeigt das Museum Brandhorst die überraschend bibliophile Seite des King of Pop Art“
"Im Museum Brandhorst lernt man den Künstler als Illustrator, Autor, Verleger, ja überhaupt als Bibliophilen kennen – mehr als 100 Bücher kann man mit dem Factory-Guru in Verbindung bringen. Und das zeigt sich bei „Reading Andy Warhol“ auf den ersten Blick: Der sich sonst mit Vorliebe oberflächlich plakativ gerierende Art-Entertainer geht im Bereich der Bücher und der Literatur durchaus in die Tiefe. […]“
Abendzeitung vom 19. September 2013, Christa Sigg

„Obwohl Warhols gesamtes Werk seinen Ursprung in seinen frühen Arbeiten im Bereich des Graphikdesign findet, ist seinen bibliophilen Arbeiten bislang noch keine derartige Ausstellung gewidmet worden. Mit „Reading Andy Warhol“ schließt das Museum Brandhorst – das eine der größten Warhol-Sammlungen besitzt – nun die Lücke. […]“
LigaStudios vom 23. September 2013, Dana Weschke