Museum Brandhorst

Jutta Koether - Tour de Madame

BIS 21. OKTOBER 2018

Museum Brandhorst | Kunstareal München

Kaum eine andere Künstlerin hat unser heutiges Verständnis von Malerei und von der Kulturlandschaft seit den 1980er-Jahren so entscheidend geprägt wie Jutta Koether (geb. 1958). „Jutta Koether – Tour de Madame“ präsentiert auf zwei Etagen des Museums Brandhorst in einem ersten umfassenden Überblick die erstaunliche Bandbreite ihrer Arbeit.

In vielerlei Hinsicht wird die Ausstellung eine Entdeckungsreise sein, führt sie doch die mehr als 150 Gemälde, Zeichnungen und Assemblagen auf eine völlig neue Art und Weise zusammen. Viele der Werke wurden nie öffentlich ausgestellt oder waren seit ihrer ersten Präsentation nicht mehr zu sehen.

Ein Höhepunkt der Schau wird ein neu geschaffener, 15-teiliger Gemäldezyklus sein, der – in Anspielung auf Cy Twomblys Lepanto-Raum aus der Dauerausstellung des Museums Brandhorst – Koethers eigene "Schlacht" mit der Malerei- und Kunstgeschichte vor Augen führt.

Die Ausstellung bietet einen systematischen und chronologischen Überblick über das facettenreiche Oeuvre der Künstlerin. Sie führt zurück zu Koethers Anfängen im Kontext des Kölner Neo-Expressionismus Anfang und Mitte der 1980er-Jahre und ihrer anschließenden Auseinandersetzung mit der Farbe Rot als Ausdrucksmittel – eine Antwort auf das Klischee männlicher Maler. Nach ihrem Umzug nach New York Anfang der 1990er-Jahre begann Koether atemberaubend intensive und farbenprächtige, großformatige Gemälde zu schaffen, in denen Motive aus Popkultur, Literatur und Kunstgeschichte in dichten malerischen Gesten geschichtet sind. Anfang der 2000er-Jahre richtete sich Koether in ihrer Herangehensweise immer stärker auf Performance und Musik aus, was in tiefschwarzen Leinwänden und Assemblagen mit Devotionalien der Punk und Noise-Kultur gipfelte. Das letzte Kapitel der Ausstellung widmet sich Koethers exzentrischer Hinwendung zur Historienmalerei und ihren jüngsten Aneignungen aus dem visuellen Gedächtnis der Kunstgeschichte.

Das Werk von Jutta Koether ist programmatisch das Werk einer Malerin, das den männlich dominierten Kanon der Kunstgeschichte in Frage stellt. Jutta Koether reflektiert diese Geschichte und greift Motive weiblicher Künstlerinnen wie Giorgia O’Keeffe, Eva Hesse oder Louise Bourgeois auf. Ein Beispiel ist Koethers Entscheidung, die Farbe Rot ins Zentrum ihrer Kunst zu stellen.

Je nach Kontext steht die Farbe dann für Schmerz, Scham, Hysterie, Intensität, Aggression, Provokation, Schminke, Begehren, Weiblichkeit. Die Zusammenführung aller Werkgruppen erlaubt deshalb, Koethers Schaffen in seiner historischen Bedeutung zu erfassen: als groß angelegten Versuch, eine Gegen-Geschichte zum Kanon der modernen Malerei zu entwerfen. Konsequenz und Konsistenz ihres künstlerischen Schaffens lassen keinen Zweifel daran, dass Jutta Koether vor allem eines ist – eine der relevantesten deutschen Malerinnen der letzten Jahrzehnte.

Das Museum Brandhorst veranstaltet am 28. Juni um 19.00 Uhr ein Gespräch zwischen der Künstlerin und Kerstin Stakemeier.
Am letzten Wochenende der Ausstellung (19. und 20. Oktober) organisiert das Museum Brandhorst in Zusammenarbeit mit den Münchner Kammerspielen und der Akademie der Bildenden Künste München eine Veranstaltungsreihe mit Vorträgen, Performances und Konzerten.

Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Ausstellungskatalog, der erstmals eine systematische Auseinandersetzung mit Koethers künstlerischer Praxis bietet und ihr gesamtes Oeuvre von 1982 bis hin zu ihren jüngsten Arbeiten, die für diese Ausstellung geschaffen wurden, in einer umfassenden Bilderreihe mit rund 230 Farbreproduktionen präsentiert. Der Katalog ist als maßgebliche Publikation zu Koethers Werk angelegt und dient der weiteren kritischen Auseinandersetzung mit ihrem Oeuvre. Er erscheint in einer deutschen und einer englischen Ausgabe. Die international bekannten Kunsthistoriker Manuela Ammer, Benjamin H.D. Buchloh, Julia Gelshorn, Achim Hochdörfer, Branden W. Joseph, Tonio Kröner, Michael Sanchez und Anne Wagner beleuchten jeweils eine von Koethers vielfältigen Werkgruppen und –phasen (372 S., ca. 270 Abb., Verlag Buchhandlung Walther König, deutsche Sprachfassung: ISBN 978-3-96098-359-0, englische Sprachfassung: 978-3-96098-360-6, Buchhandelspreis: 49,80€).

Das Museum Brandhorst organisiert die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Mudam Luxembourg – Musée d'Art Moderne Grand-Duc Jean, initiiert und kuratiert von Achim Hochdörfer und Tonio Kröner mit Unterstützung von Kirsten Storz. Sie wird bis 21. Oktober 2018 im Museum Brandhorst zu sehen sein. Die Werkschau im Mudam Luxembourg von 08. Februar bis 12. Mai 2019 wird von Suzanne Cotter kuratiert.

Gefördert durch die KULTURSTIFTUNG DES BUNDESPIN. Freunde der Pinakothek der Moderne e. V. und Pictet (Europe) SE

Medienpartner: ARTE

ZEICHENHEFT FÜR KINDER UND ERWACHSENE
Gehen Sie mit Jutta Koether auf Tour! An der Kunstvermittlungsstation
im Foyer liegen Zeichenhefte und Stifte für alle Besucherinnen und Besucher,
ob Kind oder Erwachsener, bereit. Lernen Sie mit diesem Heft Koethers Arbeits- und Malweise kennen und tauchen Sie ein in die Farbe Rot, die Lieblingsfarbe der Künstlerin. An die Stifte, fertig, los!

Das Zeichenheft für Kinder finden Sie als PDF zum Download hier, das Zeichenheft für Erwachsende hier.

 

 

JUTTA KOETHER – TOUR DE MADAME    
Für alle Führungen gilt: Begrenzte Anzahl an Teilnahmeplätzen. Teilnahmebänder ab einer Stunde vor Führungsbeginn an der Information.
Treffpunkt: Kunstvermittlungsstation im Foyer | kostenfrei
Begrenzte Anzahl an Teilnahmeplätzen.
Ausgabe von Teilnehmerkarten ab 30 min vor Führungsbeginn an der Infotheke.

Kuratorenführung
16.10. | 15.00 Uhr | Mit Achim Hochdörfer

Zum Abschluss ihrer gefeierten musealen Überblicksausstellung Jutta Koether - Tour de Madame im Museum Brandhorst hat Jutta Koether ein vielgestaltiges Veranstaltungsprogramm zusammengestellt. Während die Ausstellung Koethers malerisches Werk ins Zentrum stellt, nimmt Tour de Madame: Cold Chills ihr Interesse und ihre Ausflüge in Musik, Performance und Theorie in den Blick.

Neben einem Konzert der experimentellen Band Gang Gang Dance, die ihr neues Album Kazuashita präsentiert, treten zahlreiche Weggefährten/innen Koethers auf. Sowohl mit ihrer langjährigen Performancepartnerin Kim Gordon, bekannt von Sonic Youth, als auch mit dem Popjournalisten Diedrich Diederichsen wird sie gemeinsam auf der Bühne stehen. Die beiden Liveprogramme an den Münchner Kammerspielen werden abgerundet durch eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion an der Akademie der Bildenden Künste. Über zwei Tage verteilt treffen sich akademische Debatte, Konzert, Performance und Malerei in den inspirierend kühlen Schauern des Live-Auftritts.

19. Oktober 2018 | 20.00 Uhr, Münchner Kammerspiele, Kammer 3
Konzerte: Kim Gordon & Jutta Koether, Tom Verlaine mit Jimmy Rip
15,00 Euro / erm. 10,00 Euro
Festivalticket für beide Abende an den Kammerspielen + Eintritt Ausstellung im Museum Brandhorst: 20,00 Euro / erm. 12,00 Euro

20. Oktober 2018 | 16.00 Uhr, Akademie der Bildenden Künste München, Auditorium | Eintritt frei
Podiumsdiskussion mit Caroline Busta, Diedrich Diederichsen, Isabelle Graw, David Joselit, Jenny Nachtigall und Martin Prinzhorn

20. Oktober 2018 | 20.00 Uhr, Münchner Kammerspiele, Kammer 3
Performanceprogramm: Josephine Pryde, Diedrich Diederichsen &
Jutta Koether, Lily McMenamy, Café Miao presents: Tour De Miao
8,00 Euro / erm. 5,00 Euro
Festivalticket für beide Abende an den Kammerspielen + Eintritt Ausstellung im Museum Brandhorst: 20,00 Euro / erm. 12,00 Euro

Veranstaltungsreihe des Museums Brandhorst zur Ausstellung Jutta Koether – Tour de Madame, in Kooperation mit den Münchner Kammerspielen und der Akademie der Bildenden Künste München.
kuratiert von Jutta Koether

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne e.V.

 

 

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Katalog begleitet, der erstmals eine systematische Auseinandersetzung mit Koethers künstlerischer Praxis bietet und ihr Œuvre von 1982 bis hin zu ihren jüngsten Arbeiten präsentiert.

Die international bekannten Kunsthistoriker/innen Manuela Ammer, Benjamin H.D. Buchloh, Julia Gelshorn, Achim Hochdörfer, Branden W. Joseph, Tonio Kröner, Michael Sanchez und Anne Wagner beleuchten in ihren Essays Koethers Werk.

372 Seiten, ca. 270 Abbildungen
Verlag der Buchhandlung Walther König
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Deutsche Sprachfassung: ISBN 978-3-96098-359-0
Englische Sprachfassung: 978-3-96098-360-6