Museum Brandhorst

Dark Pop

Andy Warhol, Bruce Nauman, Robert Gober, Sigmar Polke, Louise Lawler et al.

BIS 18. OKTOBER 2015

Museum Brandhorst | Kunstareal München

Parallel zur Ausstellung "Yes!Yes!Yes! Warholmania in Munich“ markiert die Sammlungspräsentation "Dark Pop“ auf der Eingangsebene des Museums Brandhorst Andy Warhols Schlüsselposition in der Geschichte der Pop Art und des Neo-Pop.
Die scheinbar so fröhliche Umarmung der Welt des Konsums war bereits zu Zeiten der Pop Art von einem düsteren Unterton begleitet. So sind Andy Warhols Darstellungen glamouröser Celebrities und schillernder Warenfetische durchsetzt von Todesmetaphern, Motiven der Gewalt, Sensationslust und gesellschaftlichen Konflikten. Der Zynismus unseres vermeintlich aufgeklärten Pragmatismus wird in den glatten Oberflächen von Warhols Bildern gleichsam auf uns zurückgespiegelt. Ähnlich haben sich auch andere KünstlerInnen seit den 1960er Jahren mit den dunklen Aspekten der modernen Alltagskultur auseinandergesetzt: etwa wenn Sigmar Polke die Ideale der Französischen Revolution - "Liberté, Egalité, Fraternité" - sarkastisch kommentiert, oder wenn Bruce Naumans hängender Katzenkadaver den so nüchternen wie brachialen industriellen Umgang mit Tieren thematisiert; wenn Damien Hirsts Arzneischrank mit Schmerzmitteln und Antidepressiva zum modernen Schrein wird; oder wenn Robert Gober mit funktionslosen Waschbecken und behaarten Kerzen alptraumhafte Doppelgänger unseres so vertrauten Alltags entwirft.
Unter dem Titel "Dark Pop" werden Highlights der Sammlung Brandhorst in einer thematisch arrangierten Präsentation im Erdgeschoss des Museums gezeigt. Kombiniert wird die Zusammenstellung mit zwei wichtigen Neuerwerbungen von Louise Lawler.

"Das Poetische und das Vulgäre stehen jetzt hautnah nebeneinander. Historisch verzwirbelte, feinsinnige Malereien zum Beispiel neben übergroßen Fäkalien. Die plakative Pop Art dagegen offenbart nun sehr deutlich ihre düsteren Seiten. Das ist die Ambivalenz der Dinge (und der Kunst), die Achim Hochdörfer liebt. Das sind auch die Kontraste, die der neue Direktor im Münchner Museum Brandhorst inszeniert. Alte und bisher nicht gezeigte Spitzenkunst machen das Haus zu einem neuen Dauerbrenner."
Münchner Merkur Online vom 17. Mai 2014, Freia Oliv

"Ginge es hier um einen Comic, man müsste die Sprechblasen füllen mit schönen onomatopoetischen Wortgebilden wie 'Boom', 'Peng!', 'Splash', 'Krawumm!', 'Wuiiiiii', 'Zrrrrrach!' Wie ein Orkan ist der neue Leiter des Museums Brandhorst, Achim Hochdörfer, wenige Monate nach seinem Amtsantritt durch die gerade fünf Jahre alte Institution gefegt und hat die Säulenheiligen Cy Twombly und Andy Warhol von ihren Sockeln geholt. Nicht um sie zu verstoßen, sondern um sie zusammen mit anderen Künstlern erfrischend anders zu präsentieren. So wünscht man sich neue Köpfe an den Spitzen der Institutionen! Dass sie mutig sind in ihren Entscheidungen und das konservative München kräftig aufmischen. Dass sie vor allem das Publikum zu neuen Sichtweisen führen."
Süddeutsche Zeitung vom 17. Mai 2014, Evelyn Vogel