Museum Brandhorst

Cy Twombly im Dialog mit Franz West

BIS 27. SEPTEMBER 2015

Museum Brandhorst | Kunstareal München

CY TWOMBLY IM DIALOG
Das Museum Brandhorst bewahrt die bedeutendste Sammlung von Werken des gebürtigen Amerikaners und Wunscheuropäers Cy Twombly. Wie kaum an einem anderen Ort spiegelt sich hier sein vielseitiges Schaffen in einer Fülle von Gemälden, Skulpturen, Arbeiten auf Papier und Fotografien. Mit dem zwölfteiligen Werk "Lepanto" bewahrt das Museum eines der Hauptwerke Twomblys, der "Rosensaal" hat sich in das Gedächtnis vieler Besucher eingeprägt. In einer neuen, lose aufeinanderfolgenden Reihe treten seine Werke im Obergeschoss in anregende Dialoge mit jeweils einer ausgewählten Künstlerposition.

 

CY TWOMBLY IM DIALOG MIT FRANZ WEST
Der 1928 geborene Amerikaner Cy Twombly und der 19 Jahre jüngere Österreicher Franz West: Trotz aller biographischen und geographischen Unterschiede verbindet die beiden Künstler eine große künstlerische Nähe. Bereits auf den ersten Blick fallen ähnlich gestaltete Sockel, filigrane Formen und "linkische" Linienverläufe ins Auge. Auch die "Stille" der bevorzugt weißen Bemalung wird gleichermaßen von knallig bunten Farbakzenten konterkariert. Aber auch in ihrer historischen Verortung lassen sich Gemeinsamkeiten finden. Twombly und West antworteten auf eine dominante Vätergeneration - Abstrakter Expressionismus und Wiener Aktionismus - mit einem geradezu dadaistischen Humor. Dabei leitete West in den 1970er-Jahren seine spiralförmigen "Passstücke" direkt von Twomblys Schleifen- und Kritzelbildern ab: "Wie eine Flaschenpost", so West im Rückblick, sei ihm Twombly damals erschienen, der "von anderen Umständen und Bedingungen, von einem anderen Selbstverständnis berichtete" (Franz West 2009). Im Wechselspiel von Skulptur und Malerei entsteht ein Dialog filigraner Formen, kryptischer Anspielungen, poetischer Sensibilität und vulgärer Expressivität. Die Kunst von Twombly und West wurde erstmals in den von Harald Szeemann kuratierten Skulpturenausstellungen - etwa "Spuren, Skulpturen und Monumente ihrer präzisen Reise" - in den Jahren 1985/86 gemeinsam präsentiert. Obwohl sie sich erst spät persönlich begegneten, schätzten sie sich gegenseitig außerordentlich.

"Die Dialoge, die die Arbeiten des Amerikaners Twombly mit denen des 19 Jahre jüngeren Österreichers West eingehen, überzeugen. Nicht nur, weil West seine spiralförmigen "Passstücke" aus den 1970er Jahren von Twomblys Schleifenbildern ableitete. Twombly selbst, der in Europa immer eher als der Poet verklärt wird, in den USA aber als der Vulgäre gilt, hat in seinem Spätwerk auf West reagiert."
Süddeutsche Zeitung vom 17. Mai 2014, Evelyn Vogel

"Und keine Sorge, auch Twomblys Rosen hängen noch - allerdings haben sie kraftvollen Aktivierungs-Besuch bekommen. Vier in die Höhe ragende Riesenbrocken aus Franz Wests Installation 'Das Fragile an seiner Kloake' könnten von der Leinwand gesprungene aufgeblasene Rosen sein. Und auch der Rest dieser Arbeit geht eine spannungsvolle Konversation ein mit den Bacchus-Bildern des Amerikaners, kitzelt nicht nur hier vulgäre Seiten hervor."
Abendzeitung München vom 17. Mai 2014, Christa Sigg