Museum Brandhorst

Cy Twombly: In the studio

bis Mai 2019

Museum Brandhorst | Kunstareal München

Mit einer Neupräsentation meldet sich Cy Twombly im Obergeschoss des Museums Brandhorst zurück. Und zwar mit einer retrospektiven Auswahl von Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und Fotografien aus den frühen 1950er-Jahren bis hin zu einem Bild aus Twomblys allerletzter Werkserie, die er 2011 kurz vor seinem Tod fertiggestellt hat. Mit mehr als 200 Werken – von denen die Hälfte nun zu sehen sein wird – aus unterschiedlichen Schaffensperioden verfügt die Sammlung Brandhorst über die bedeutendsten Bestände des Künstlers in Europa.

Twombly hat dem jeweiligen Ort, an dem seine Werke entstanden sind, Zeit seines Lebens eine zentrale Bedeutung beigemessen. Insbesondere in seinen Fotografien spielt Twombly vielfach auf den Arbeitsprozess und die besondere Atmosphäre bei der Entstehung seiner Bilder und Skulpturen an. In seinen Interieurs gelingt es Twombly, seine Wohnräume zu poetischen Orten der Imagination zu steigern, in denen sich Natur und Kultur, Banalität und verfeinerter Geschmack begegnen. Paradigmatisch wurden deshalb die Fotografien den monumentalen Rosen gegenübergestellt, die Cy Twombly eigens für den zentralen Saal im Obergeschoß des Museums gestaltet hat. Sie reflektieren den Kontext seiner Entstehung: intime Szenen aus Twomblys Atelier, Zitronen aus seinem Garten, Strandaufnahmen, knallig-bunte Aufnahmen von Süßwaren und  poetischen Blumenarrangements. Sie alle vermögen das weite Spektrum von Twomblys Rosendarstellungen zu veranschaulichen.

Bei der Gestaltung seiner späten „Rosen“-Bilder hat Cy Twombly Verse bekannter Lyriker einfließen lassen. In unserem Informationsblatt listen wir die von Twombly verwendeten Verse und ihre Quellen auf.

Erstmals seit der Eröffnung sind alle 18 Skulpturen der Sammlung Brandhorst ausgestellt. Es handelt sich dabei um Zusammenstellungen alltäglicher Gegenständen, die er seinem unmittelbaren Lebensumfeld entnommen hat: ein Besenstil, ein Lineal, Reste von Wein- und Olivenölfässern, eine Johnnie Walker-Whisky Holzkiste. Ausgehend von diesen „niederen“ Materialien lässt Twombly ein ganzes Panorama an Traditionen und Stationen der Kunstgeschichte Revue passieren. Es tauchen Anklänge an archaische Kuroi und antike Inschriften auf, an ägyptische und persische Monumente, an afrikanische Fetischobjekte, an neoklassizistische Figuren, bis hin zu Referenzen auf moderne Kunstströmungen wie Dadaismus und Arte Povera.

Neuerwerbung
Erstmals wird auch eine Neuerwerbung von Cy Twombly für den Besucher zu entdecken sein. Es handelt sich um das Werk „Untitled (Camino Real)“, 2011. Cy Twombly hinterließ 2011 eine Serie von Bildern in seinem Atelier bei Gaeta. Rote, gelbe und orangene Schleifen ziehen sich über den hellgrünen Grund und bilden leuchtende Farbakkorde. Während des Malprozesses hat Twombly die breiten Pinsel an lange Stöcke gebunden. Angesichts der Dynamik in den ausladenden Schwüngen könnte man fast den Eindruck gewinnen, Twombly habe mit seiner „Stock-Technik“ seinem alternden Körper einen erweiterten Aktionsradius geben wollen.

Der 1928 in Lexington, Virginia, geborene Cy Twombly ist einer der einflussreichsten Künstler der Gegenwart. Ausgehend vom Abstrakten Expressionismus entwickelte er einen eigenwilligen gestischen Stil mit schriftartigen, „linkischen“ Zeichen, die er auf großformatigen Leinwänden ins Monumentale steigert. Kein anderer Künstler des 20. Jahrhunderts hat sich dabei so bedingungslos auf den „Nullpunkt“ der modernen Kunst eingelassen wie Twombly. Schreibübungen von Kindern, gedankenverlorenes Gekritzel und Graffitis auf Hauswänden dienen ihm als zeitgenössische Ausgangspunkte, um den Erfahrungsgehalt mythischer Erzählungen zu aktualisieren und einen Bogen zu den großen Themen der mediterranen Kulturgeschichte zu spannen. In seinen letzten Lebensjahren hat Twombly ein beeindruckendes Spätwerk geschaffen, das an malerischem Reichtum an die späten Schaffensjahre von William Turner und Claude Monet erinnert.

Cy Twombly und München
Zeit seines Lebens war Twombly mit dem kulturellen Leben Münchens eng verbunden. Bereits in den 1960er-Jahren setzt seine Beziehung zu München mit der Freundschaft zu Lothar Schirmer ein, der in seinem Verlag Schirmer/Mosel zahlreiche Kataloge, Monographien und Werkverzeichnisse des Künstlers betreuen sollte. Seit den 1970er Jahren stellte Twombly regelmäßig in München aus: bereits 1973 präsentierte das Lenbachhaus seine Arbeiten in musealen Kontext, gefolgt von Galerieausstellungen bei Heiner Friedrich, Schellmann und Klüser, Helmut Klewan, Lothar Schirmer sowie Die Präsentationen des Lepanto-Zyklus (2002) und seiner Skulpturen (2006) in der Alten Pinakothek fanden große Beachtung. Mit der Eröffnung des Museums Brandhorst ist die Präsenz von Cy Twombly im lichtdurchfluteten Obergeschoß ein fester Bestandteil des Münchner Kulturlebens.

Die Ausstellung wird gefördert durch PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne e.V.

Die Saaltexte zu der Ausstellung können Sie hier nachlesen.

CY TWOMBLY: IN THE STUDIO
Für alle Führungen gilt: Begrenzte Anzahl an Teilnahmeplätzen. Teilnahmebänder ab einer Stunde vor Führungsbeginn an der Information.

Ausstellungsführungen
Die einzelnen Termine finden Sie unter www.pinakothek.de/programm

THEMENFÜHRUNGEN
DI 05.06. | 15.00
DI 26.06. | 15.00
SA 07.07. | 16.00
DI 14.08. | 15.00
SA 25.08. | 16.00

WORKSHOP | CYber TWOMBLY
Virtuelle Realitäten (VR) erobern nicht nur unseren Alltag, sondern auch die Welt der Kunst. Zeichenprogramme wie MasterpieceVR ermöglichen es VR-Künstlerinnen- und Künstlern, ihre Umgebung virtuell zu gestalten. Die dabei entstehenden Werke sind fremdartig und beeindruckend; nicht einmal die Schwerkraft kann der Kreativität noch Grenzen setzen. Inspiriert von der Maltechnik und Motivik Cy Twomblys werden wir den Raum mithilfe von VR-Brille und Controllern mit unseren virtuellen Kunstwerken füllen.
Mit Sophie Bauer
SA 09.06. sowie 16.06. | 13.00-16.00
9 Euro inkl Eintritt
Begrenzte Anzahl von Teilnahmeplätzen | Anmeldung unter T 089 23805-198 oder programm@pinakothek.de
Mit freundlicher Unterstützung von MasterpieceVR

BILDKONTEMPLATION | Cy Twombly, Lepanto, 2001
Bei einer Bildkontemplation wird ein Kunstwerk anders als üblich wahrgenommen. Dabei ist nicht das Motiv oder seine kunsthistorische Einordnung das Thema, sondern eine Begegnung, die durch die momentan sehr populäre Methode der inneren Achtsamkeit ermöglicht werden soll. Dieses Angebot richtet sich an alle, die sich auf diesen ganz anderen Weg der Kunstvermittlung einlassen möchten.
SA 28.07. | 10.30
15 Euro inkl. Eintritt
Begrenzte Anzahl an Teilnahmeplätzen | Anmeldung unter programm@pinakothek.de oder T 089 23805-198